Jeanne Hersch, die trotzige Urteilskraft


Jeanne Hersch war die erste Philosophieprofessorin des Landes. Anlässlich eines Symposiums an der Universität Zürich zu Ihren Ehren wurde Sie die trotzige Urteilskraft genannt

Diese Einschätzung bezieht sich auf ein Referat von Prof. Georg Kohler. Darin beurteilte er das Lebenswerk von Jeanne Hersch im Lichte von Kants Urteilskraft. Im Werk Kritik der Urteilskraft befasst sich Kant mit der menschlichen Fähigkeit, zu urteilen. Mit folgender Formel: Vorurteilsfrei denken, an der Stelle jedes Anderen denken, mit sich selbst einstimmig denken.

Hersch wurde dabei aufgrund ihres in gewisser Hinsicht radikalen Denkens trotzige Urteilskraft genannt. Radikal war dieses Denken insofern, als dass Hersch politisch ziemlich kompromisslos und manchmal gerade auch gegen ihre Partei – der Sozialdemokratie – Standpunkte äusserte: So war Sie zum Beispiel dezidiert gegen Drogenlegalisierung,

Eine gewisse politische Radikalität der Forderungen wohnte Hersch vermutlich inne, weil Sie durch ihre Heimat – Russland – und die dortigen Umstände geprägt wurde. So besass Sie eine grosse Abneigung gegenüber totalitärer Regimes. Ein Leben lang kämpft Sie für die individuelle Freiheit.

Ihre akademische Laufbahn begann 1928 in Genf, wo Sie das Studium der Literaturwissenschaften aufnahm. Die studierte Philosophie bei Karl Jaspers in Heidelberg, bei dem auch Hannah Arendt Vorlesungen besuchte. Dessen Form des Existenzialismus prägte Sie sehr. Mit ihrer Dissertation L’etre et la forme wurde Sie 1946 an der Universität Genf promoviert. Ab 1956 lehrte Sie als ordentliche Professorin am Lehrstuhl für Systematische Philosopie.

Ausserdem arbeitete Hersch 22 Jahre als Pädagogin und initiierte reformpädagogische Projekte.

Hier ein Zitat von Jeanne Hersch betreffend Freiheit und bürgerliche Ordnung.

„Was die Bürger von der demokratischen Ordnung zu erwarten haben, ist nicht das Geschenk der eigenen Freiheit – das kann kein politisches Regime, diese Aufgabe müssen sie selber anpacken –, sondern nur eine Einrichtung des gemeinsamen Lebens, die für jeden Einzelnen die möglichst günstigsten Bedingungen für seine Suche nach Freiheit schafft.“

– Jeanne Hersch

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