Altbackener Schweizer Opferschutz bei sexuellen Übergriffen

In der Schweiz tauchen Schlagzeilen auf wie zum Beispiel die, dass 400 000 Frauengegen ihren Willen Sex hatten. Ja, ich musste beim Abfassen nochmals nachsehen, mit dem Gefühl, dass es doch nicht wahr sein kann! Schon
beachtlich.

Ein grosses Problem sehe ich im Umgang damit, mit sexuellen Übergriffen. Ja, auch mit wegsehen. Ja, auch mit totschweigen.
Aber fast noch mehr mit: Anzeigen!

Wer fordert, man möge bitte kein Täter-, sondern Opferschutz betreiben, meint vielleicht das Richtige, rät aber zum Falschen.

Zur Anzeige bringen, bedeutet, den Mut für das hier: Genau sein. Genau beschreiben. Alles zig Mal Revue passieren lassen. Jetzt einmal ehrlich: Können Sie es sich vorstellen, eine Situation des Grauens beständig wiederzukäuen? Eine Situation der Ohnmacht, der Hilflosigkeit!?!

Das ist jetzt kein Plödoyer dafür, jemanden nach dem ersten Hinweis auf Übergriff gleich hinter die schwedischen Gardinen zu stecken! Rechtsstaat und ein ordentlicher Prozess, ja, muss sein!

Aber ist es nicht gerade deshalb Teil einer guten Betreuung, Pro und Contra einer Anzeige abzuwägen. Die Betroffenen solcher Übergriffe müssen ja nicht noch dabei behilflich sein, die Gesellschaft vor einem Täter oder einer Täterin zu schützen. Nach all dem Erlebten sich noch als Schutzschild hinstellen.

Sie können anzeigen, wenn Sie wollen, müssen aber nicht!

Ein guter Opferschutz befasst sich für mich in erster Linie mit dem Schutz und den Perspektiven von Betroffenen. Nur, falls eine Anzeige für einen Betroffenen Perspektive und Genugtuung verschafft, sollte der Schritt eingeleitet werden. Ansonsten umfasst Opferschutz für mich die Möglickeit, selber stark zu bleiben, tapfer zu sein, und von Seiten Betreuung darin, die richtigen Angebote bereit zu stellen. Diesbezüglich muss sich noch einiges bewegen!

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